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Inwieweit können und dürfen wir Entscheidungen über den Kopf des Partners hinweg treffen?

Erst einmal vorweggenommen: eine Partnerschaft bedeutet nicht, seine Autonomie generell verlieren oder gar den Partner bzw. die Partnerin in jede mögliche Entscheidung mit einbeziehen zu müssen. Jedoch gibt es neben den kleinen Entscheidungen im Alltag auch größere, lebenseinschneidende Entscheidungen wie eine Jobwahl in einer anderen Stadt bzw. in einem anderen Land. Oder auch der Kauf einer Immobilie, wie in meinem nachfolgenden Beispiel. Dies hat dann doch gravierende Veränderungen in der Partnerschaft zur Folge.

In einem Fall, den ich gleich schildern werde, ist die Beziehung daran gescheitert. Meist ist dies nicht sofort offensichtlich für alle Beteiligten.

Nun zum Fall: Sina (Name geändert) hat Thomas (Name ebenfalls geändert) haben sich in der gleichen Firma kennen- und liebengelernt. Beide waren ein Jahr zusammen, da entschied sich Thomas, als Sina auf einem zweiwöchigem Fortbildungskurs war, für einen Kauf einer Eigentumswohnung in der gleichen Stadt, in der sie wohnten. Aber nicht als Geldanlage, sondern als zukünftigen Lebensort der Beziehung. Er hatte sie in den gesamten Prozess nicht mit einbezogen - weder in den wochenlangen Vorbereitungen sowie der Abwicklung des Kaufes während ihrer Abwesenheit - sondern sie nach ihrer Rückkehr vor vollendete Tatsachen gestellt.

Sina fiel verständlicherweise aus allen Wolken, denn die beiden hatten bereits feste Pläne in Richtung Heirat und Familiengründung geschmiedet. Die Wohnung war aus Sinas Sicht viel zu klein, 70 Quadratmeter und drei Zimmer, und auch wenn sie in einem bervorzugtem Stadtteil war, konnte Sina keinen Frieden mit dem gesamten Vorgang finden, denn nicht nur die Wohnung entsprach nicht ihren Vorstellungen, dazu kam der Vertrauensbruch. Es war für sie auch ein Signal, dass Thomas sie als feste Partnerin nicht ernst nähme und auch ihre Position innerhalb ihrer Beziehung schwächte.
Sina reichte drei Monate später die Kündigung in der Firma ein: sie wollte wieder studieren. Bevor das Semester losging, belegte sie noch einen Sprachkurs in Spanien - von dem sie nie wieder zu Thomas zurückkehrte. Ihre Möbel liess sie von ihren Eltern bei ihm abholen. Sie hat sich nie wieder bei ihm gemeldet. Thomas war am Boden zerstört und kam lange Zeit nicht darüber hinweg. Er hatte Monate später erfahren, dass Sina seit kurzem mit einem anderen Mann zusammen ist.

Rückblickend gesehen wird bei Sina neben Wut und Enttäuschung ein Prozess der Selbstfindung und Selbstbehauptung durchgebrochen sein. Sie muss sehr verletzt gewesen sein und die gemeinsame Zukunftsperspektive verloren haben. Sina hat Thomas mit ihrem Handeln letztendlich bestrafen wollen. Sie hat sich im Grunde ihre Ehre und Würde zurückzuholen wollen. Ihr Verhalten war zwar nicht "erwachsen", aber für mich nachvollziehbar.

Sicherlich wäre es besser oder auch sinnvoller gewesen, sich mit Thomas hinzusetzen, ihn nach den Gründen dieser Entscheidung zu fragen. Um daraus schlussfolgern zu können, ob es sich um eine "Bauchentscheidung" handelte, die uns auch mal übers Ziel hinausschießen lassen. Weil wir Angst haben, dass der Partner "nein" sagen könnte. Somit kann die Immobilie aus meinem Beispiel "einfach nur" für einen lang gehegten Lebenstraum von Thomas stehen, wie sich später in den Gesprächen herausstellte. Überzeugen von dieser Argumentation konnte er sie in den letzten gemeinsamen Wochen nicht.

Natürlich hätten beide auch erst einmal in die Wohnung ziehen und sie später vermieten können, wenn sich ein Kind angemeldet hätte. Sina hatte Thomas Verhalten jedoch als grundsätzliches Signal interpretiert, und zwar, wo Thomas sie innerhalb ihrer Beziehung sieht - und relativ rasch die Konsequenzen gezogen.

In meinen Beratungen hatte ich nun noch zwei weitere Fälle, in denen Männer mit der gleichen Situation konfrontiert wurden. Männer reagieren hier teilweise noch extremer: sie trennen sich meist kurzfristig. Denn das Gefühl des Schams, in ihrer Rolle als Versorger kastriert zu werden, wirkt hier noch schwerwiegender als der Wille, auf die Beziehung zu blicken und die Entscheidung der Partnerin nachvollziehen zu wollen bzw. zu können. Es widerspricht ihrem "männlichen System".

Lebensverändernde Entscheidungen sollten auf jeden Fall mit dem Partner bzw. der Partnerin abgeklärt werden. Ein Übergehen des anderen kann der andere schnell als ein Spiegel der Beziehung interpretieren. Diese nonverbale Botschaft, die hinter so einem Handeln steckt, scheint somit viel schwerwiegender für den Betroffenen, der übergangen wird, als alle möglichen Erklärungsversuche im Nachhinein.

Sie kann auch als Chance gesehen werden, die Beziehung zum Partner in eine positive Richtung lenken zu können. Weil die Partner hier ins Gespräch kommen können über verdeckte Wünsche. Das setzt voraus, dass wir es schaffen, unsere Verletzlichkeit zur Seite zu schieben und nach dem wahren Hintergrund zu fragen. Die Angst vor der Anwort lässt jedoch wohl viele vorher handeln.

Häufig nehmen wir die Verletzung mit in eine neue Beziehung und stellen den Partner dann auf den Prüfstand. Wichtig ist also auch, die innere Verletzung zu heilen. Das können wir am besten mit dem Partner, den es betrifft. Stellt dieser sich nicht zur Verfügung oder ist der eigene Schmerz zu groß, hilft nur Zeit - und ein bewusster Umgang mit dem Schmerz, um ihn dann auch hinter sich lassen zu können.

Du hast Liebeskummer und dich betrifft genau diese Situation? Oder du hast ein anderes Beziehungsproblem und du wünschst dir eine auf dich zugeschnittene Telefonberatung? Kontaktiere mich gerne und buche dir deine persönliche Beratung.

Liebe Grüße,
Silke

Silke Setzkorn
mein-liebescoach.de
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